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Warum?

So sieht sie also aus, die fleischgewordene Umsetzung dessen, was leichtfertig zum Jahreswechsel rausposaunt wurde. Dutzendweise kommt sie mir an diesem finsteren Januarabend im eiskalten Nieselregen entgegen, geschrieben in knallrote und erschöpfte Gesichter, die mich mit flehenden Augen anschauen und fragen »Warum?«

Viele dieser Augenpaare werde ich vermutlich nie wieder sehen, denn die Halbwertszeit von guten Vorsätzen beträgt in der Regel nur wenige Wochen und so werden sich die Reihen der Läufer an der Außenalster im nasskalten hanseatischen Winter zunehmend ausdünnen und nur den harten Kern übriglassen, den man vom anerkennenden Zunicken schon aus den letzten Jahren kennt. Einige wenige der Vorsatzläufer werden es aber schaffen und sich zwischen den Schönwetterläufern einreihen, die meist ab April wieder von den Laufbändern springen und aus den Zumba-Kursen fliehen, um den Frühlingsduft an der vierspurigen Ausfallstraße zu genießen.

Wer sich aber durch das gesamte Elend des Schmuddelwinters gekämpft hat, hat meistens einen Plan, im schlimmsten Fall einen Trainingsplan. Der nächste Marathon oder sein kleiner Bruder der Halbe wartet schon, mancher möchte Strongman oder ToughMudder werden, andere sich lieber mit Farbbeuteln bewerfen oder vor kunstblutgetränkten Zombies fliehen. »Warum?« – weil Laufen wieder in ist!

Lange steckte der Volkslauf im Mief von Vereinsheimen und müden Lauftreffs fest und manch traditionelle Laufverstaltung lässt einen auch heute noch in ihren Umkleiden an diesem olfaktorischen Erlebnis aus Schweiß und Franzbranntwein teilhaben. Dennoch haben sich die Teilnehmerzahlen bei Laufveranstaltungen in den letzten zehn Jahren fast verdoppelt (laufmarkt.de), die großen Stadtmarathons sind längst Megaevents und einen Halbmarathon zu laufen ist fast schon Bürgerpflicht. Aus Sportvereinen sind Eventagenturen geworden und statt schlabberiger Laufklamotten führt man heute modische Funktionsfaser spazieren. Lauftreffs sind nicht mehr eingetragene Vereine mit Kassenwart und öden Vorstandssitzungen sondern lockere Truppen aus bärtigen Hipstern und berufsjugendlichen Medienarbeitern, die sich »irgendwas«-Runners nennen, sich über Twitter und Facebook verabreden und ihre von GPS-Uhren & Handys aufgezeichneten Trainings beim gemeinsamen Gin-Tonic auswerten.

Motivationshilfen gibt es en masse, bunte Gummiarmbänder ermahnen ihre Eigentümer, sich doch bitte etwas mehr zu bewegen, Internetforen mit Gleichgesinnten spornen über Wettbewerbe an, doch noch den einen oder anderen Kilometer mehr zu laufen und die mit der Trainingsaufzeichnung vernetzte Körperfettwaage erinnert vorwurfsvoll daran, warum man seinerzeit überhaupt mit dem Laufen angefangen hat. Waren es doch diese Röllchen an der Hüfte, die man – besiegelt durch einen guten Vorsatz – vor einigen Jahren eigentlich loswerden wollte. Geklappt hat das natürlich nicht, aber dem Laufen ist man irgendwie treu geblieben. Aber »warum« eigentlich? Würde man es den leidenden Gesichtern an der Alster zurufen, könnte man wohl nur ein verächtliches Schnauben ernten, aber die simple Wahrheit lautet: »Weil es irgendwann Spaß macht!«

Ein Beleg dafür bin ich, Andreas Palm – Freizeitläufer, Marathon-Finisher, ambitionierter Minderleister und seit heute Laufblogger. Einer von vielen, viel zu vielen. Denn nicht nur das Laufen ist in, sondern auch das Schreiben darüber. In allen Leistungsklassen und zu unendlich vielen Themen wird berichtet, gefachsimpelt, getestet. Mein Weg zum ersten Marathon, zwanzig Kilo Übergewicht in einem halben Jahr verlieren, Ultralauf leicht gemacht, die besten Trainingspläne, die nützlichsten Gadgets oder die schönsten Laufstrecken. Zum Thema Laufen ist im Prinzip alles geschrieben – aber eben noch nicht von jedem.

Und »warum« ausgerechnet ich? Mitten im Leben, mitten im Läuferfeld. Der erste Marathon liegt schon ein paar Jahre zurück und Kilos dürfen noch gerne einige runter, müssen aber nicht. Laufpensum durchschnittlich, Erfolge bei Wettkämpfen durchschnittlich. Die Gattin schwankt zwischen verächtlichem Lächeln und frenetischem Anfeuern, teilt bisweilen die Begeisterung und läuft sogar mit. Zeit ist immer knapp bemessen und Kids, Job und das Laufen unter einen Hut zu bringen, nicht immer einfach. Damit bin ich quasi die Essenz des durchschnittlichen Hobbyläufers, einer von vielen tausend, die weder als erster die Ziellinie überqueren noch vom Besenwagen eingesammelt werden, einer dieser vielen bunten Punkte auf dem Foto vom Start eines Marathons, ein Name von vielen irgendwo in der Mitte der Finisherlisten.

Also »WARUM« in aller Welt sollte man das lesen?!? 😉

 


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Beitragsbild © iStockphoto/naumoid

5 thoughts on “Warum?

    1. rundreas

      Genau Jürgen,
      das dachte ich dann auch und habe ja einfach weitergemacht.
      Wie ich sehe, bist du auch schon voll von der Rolle. Es verdichtet sich irgendwie, dass ich mir auch ’ne Blackroll kaufen werde …
      Immer diese „Mitläufer“! 😀

      Grüße gen Lehbach (wo auch immer das ist) … Andreas

  1. Du sprichst mich da voll u ganz an. Bin selber ein paar jahren eine låuferin mit finisher- erfahrung. Hatte früher einige mitstreiter- heute lauf ich alleine.
    Bin gespannt wie es bei dir wetergeht.
    lg claudia

    1. rundreas

      Danke Claudia und schön, dass dir der Blog bis hierher schonmal gefällt.
      Wie genau es sich inhaltlich entwickeln soll, weiß ich selbst auch noch nicht wirklich.
      Ich lasse das mal ganz entspannt auf mich zukommen … 😉

      Grüße gen (vermutlich) Österreich!

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